Rafaële Giovanola (Choreographie/ Regie) Die Schweizerin wurde in Baltimore, USA geboren. Nach ihrer Ausbildung u.a. bei Marika Besobrasova in der Princess Grace Classic Dance Akademie in Monte Carlo tanzte Rafaële Giovanola zunächst als Solistin in Turin, bevor sie von Egon Madsen an das Ballett Frankfurt engagiert wurde, wo sie sowohl das klassische Repertoire tanzte, als auch mit Jiři Kylián, Uwe Scholz und dem Haus-Choreographen William Forsythe arbeitete. Unter seiner Leitung blieb sie acht Jahre beim Frankfurter Ballett und wirkte bei allen wichtigen Produktionen dieser bahnbrechenden Ära von 1982 bis 1990 mit, so u.a. bei Gänge, France/Dance, Artifact, Skinny, Die Befragung des Robert Scott †, Impressing The Czar, Isabelles Dance, Limbs Theorem. In dieser Zeit begegnete sie auch den Gastchoreographen Daniel Larrieu, Stephen Petronio und Christoph Nel.
Von 1990, der Gründung des Choreographischen Theaters in Freiburg, bis zu seiner Auflösung im Jahr 2003 an war Rafaële Giovanola im Ensemble von Pavel Mikuláštiks Choreographischem Theater. 1995 wurde Rafaële Giovanola in der jährlichen Kritikerumfrage von „ballett international/tanz aktuell“ in der Kategorie „herausragende Tanzpersönlichkeiten“ nominiert.
Für das zum Off-Festival in Avignon eingeladene Debütstück „Jigaboo – Fight for your right to be white“ gründete sie 2000 zusammen mit dem Dramaturgen Rainald Endraß das Projekt CocoonDance. Seit 2004 leitet sie im Team das Theater im Ballsaal Bonn einem Haus der produzierenden Künstler*innen, Schnittstelle und Wirkungsbereich verschiedener Felder des Zeitgenössischen Tanzes, darunter auch zahlreiche Projekte der Kunstvermittlung, wie bspw. die preisgekrönte Junior Company in Bonn und auch die Cie Junior im schweizerischen Monthey. Die Junior Company ist ein, 2012 aus einigen Schulprojekten seit 2007 entstandenes, von Rafaële Giovanola gegründetes Tanzprojekt. Es richtet sich an Heranwachsende zwischen 8 und 23 Jahren und hat sich zu einem „Möglichkeitsraum“ für künstlerische Arbeiten und Persönlichkeitsentfaltung entwickelt. Die Idee des mehrfach ausgezeichneten Projekts ist die gleichberechtigte Zusammenarbeit von professionellen Künstlern und Jugendlichen. Seit 2013 sind so bislang 13 Bühnenprojekte entstanden. Die Produktionen wurden zu Gastspielen über Bonns Grenzen hinaus, so auch im Rahmen der Berliner Festspiele zum “Tanztreffen der Jugend” 2016, 2019, 2023 und 2025 eingeladen.
Rafaële Giovanola unterrichtete u.a. in der Oper Bonn, den Städtischen Bühnen Freiburg i.B., im tanzhaus nrw Düsseldorf, Brotfabrik Bonn, Staatstheater Nürnberg, St. Gallen, Verona, Bozen, Pisa, Theater Osnabrück, bei der Ewgenij Panfilow Compagnie und staatlichen Ballettschule Perm, Jekaterinburg, Montevideo, am choreographischen Zentrum Donko Seko Bamako (Mali) und im Attakkalari Center Bangalore (Indien), São Paulo, Kinshasa, Abidjan, New Dehli. Außerdem leitete sie zahlreiche Meisterklassen/ Workshops im Rahmen von Tourneen von CocoonDance und tanzmainz in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und Pro Helvetia, wie zuletzt bspw. 2024 im Rahmen des World Culture Festival Pakistan, Arts Council of Pakistan & Goethe-Institut Karachi (PK) und Sodsai Pantoomkomol Centre for Dramatic Arts, Chulalongkorn University, Bangkok (TH) und Jim Thompson Art Center im Rahmen des Unfolded Kafka Festival.
Seit 2009 war Rafaële Giovanola mehrfach eingeladen mit Studierenden des Zentrums für Zeitgenössischen Tanz (ZZT) an der Hochschule für Musik und Tanz Köln (HfMT) zu arbeiten und Workshops zu geben. Im Rahmen der Programme UNFOLDED und IMPACTZONE erarbeitete Rafaële Giovanola mehrmals Adaptionen ihrer Stücke. So zuletzt MOMENTUM X-samples (Februar 2018 HfMT Köln, März 2018 – Biennale Tanzausbildung, HAU Berlin), VIS MOTRIX X-samples (September 2021) und zuletzt DRIFT (März 2026).
Im Rahmen ihrer Ko-Leitung des Theaters im Ballsaal gründete bzw. kuratierte sie von 2004 bis 2023 das dortige Tanzprogramm, insbesondere die Festivals INTERNATIONALES BONNER TANZSOLOFESTIVAL (2007-2021) INTO THE FIELDS (2012-2023), TANZ NRW (2009-2021).
2021 wurde die »MoveApp« veröffentlicht, mit der sich Tanzbegeisterte digital miteinander vernetzen können und durch die Beiträge der User*innen ein sich stetig erweiterndes Glossar des Zeitgenössischen Tanzes entsteht. Rafaële Giovanola und Ensemblemitglieder haben auf die Frage, wie eine choreografische Sprache entstehen, erläutert und geteilt werden kann, mit einem Bewegungswortschatz, basierend auf dem Bewegungsmaterial ihrer Stücke reagiert. Die Beschäftigung mit Sprache, als Instrument zum Erfassen, Verbildlichen und Archivieren von Bewegung ist mittlerweile zu einem Kernelement der Bewegungsrecherche geworden. Seit 2017 entwickelt sich ein stetig wachsendes Glossar mit dem Ziel eines offenen Archivs, das sein kollektiv gewordenes Erfahrungswissen nicht nur speichert, sondern beständig dialogisch überprüft, ergänzt, und teilt. „Mit ihrem Glossar hat CocoonDance diese Arbeit eines „beweglichen Blickes“ (Jeschke 1999) zur Perfektion getrieben. Es hält ein Instrumentarium bereit, die Komplexität von Bewegung in der Verbindung von Empfindung, Qualität und Motorik zu sehen und zu beschreiben. Das Ziel des Vorhabens, die eigene chorografische Bewegungspraxis nicht nur zu archivieren, sondern für andere verfügbar zu machen, führt hier zu einer ganz eigenen Form der Beobachtung und Beschreibung von Bewegung.“ (Isa Wortelkamp CocoonDance Glossar-Broschüre, 2019)
Rafaële Giovanola hat eine originäre Handschrift entwickelt, die sie über die Arbeit mit ihrem Ensemble CocoonDance hinaus auch in der Kooperation mit größeren festen Ensembles stetig weiterentwickelt. Ihre Arbeiten bestechen durch ihren Ideen- und Formenreichtum. Ästhetisch überzeugt sie durch Bühnenwerke von großer Dichte, die sie mit intensiver Improvisations- als auch in Teamarbeit vorantreibt. Intensives Touring und zahlreiche Kooperationen mit internationalen Partnern kennzeichnen den sich ständig erweiternden Wirkungskreis ihrer Kompanie, welche in den letzten Jahren mit zahlreichen Preisen geehrt und ja bereits mehrfach zur Tanzplattform Deutschland, der schweizerischen Biennale STEPS, dem französischen Rencontres chorégraphiques internationales de Seine-Saint-Denis und dem italienischen MilanOltre eingeladen wurde.
Rafaële Giovanola 2002 wurde für ihr Debüt „Jigaboo“ mit dem REFLEX-Förderpreis der Patrizia-Van-Russel Stiftung in Groningen (NL) ausgezeichnet. 2007 gewann sie das Internationale Internettanzfestival SideBySide-net, 2010 den Förderpreis des Kantons Wallis und 2021 den Kulturpreis ihrer Heimatstadt Monthey. 2022 wurde Rafaële Giovanola in der Kategorie Beste Tanzinszenierung mit dem deutschen Theaterpreis DER FAUST für SPHYNX, der Zusammenarbeit mit tanzmainz ausgezeichnet. Anfang 2025 erhielt sie den D&D Award der italienischen Zeitschrift Danza&Danza in der Kategorie „Beste/r zeitgenössische/r Choreograf/in 2024“. Auf die Frage, „welche Personen aus der Tanzszene sollten Ihrer Meinung nach in der kommenden Zeit eine größere Rolle spielen?“ wurde Rafaële Giovanola innerhalb der Branchenumfrage der Redaktion des deutschen Online-Fachmagazins tanznetz.de, als eine der zwölf einflussreichsten Persönlichkeiten der deutschen Tanzszene 2024/25 benannt.
Rainald Endraß (Dramaturgy), born in Schwäbisch Gmünd, studied German, Philosophy, Sociology and Theatre Sciences in Frankfurt. During this period, he gained experience in the fields of dramaturgy and direction, being assistant at the Schauspiel Frankfurt. Following several projects of the independent scene and after guest engagements at the Städtische Bühnen Freiburg, he was responsible for dramaturgy, and PR at the Choreographisches Theater since 1991. Together with Pavel Mikuláštik and his ensemble he changed from Freiburg to the Theater der Bundesstadt Bonn in 1997, where he also worked in the fields of drama and opera. He was also curator of several dance festivals in Bonn. In 2000 he founded the project CocoonDance together with Rafaële Giovanola for the production ’Jigaboo – Fight for Your Right to Be White’, invited to the off festival in Avignon.
Aurélie Martin (Management team), born in Athens, holds a Master's degree in Administration of Cultural Institutions from the IUT of Aix-Marseille. After a first professional experience at the Hivernales CDCN in Avignon, she joined the team of the Romaeuropa Festival as production manager. Her journey took her to Switzerland before returning to Italy where she currently accompanies the duo Ginevra Panzetti and Enrico Ticconi. Her experience combines administration, production and distribution, which she puts at the service of independent companies like Camille Mutel (FR), Claudia Catarzi (IT), Massimo Furlan (CH), Philippe Saire (CH), Perrine Valli (FR/ CH) and Rudi Van der Merwe (CH) and contemporary creation. She is a member of the board of directors of Lapas.
Álvaro Esteban (has been collaborating with CocoonDance since 2013, working as a performer, co-creator and an outside eye.) Spanish. Since his childhood, he has been fascinated by the human body and its movement, as well as its capacity to connect with others through subtle communication. This curiosity led him to his studies: Bachelor in Sciences of Sports and Physical Activities, Universidad Politécnica (Madrid), Diploma in Therapeutic and Sports Massage, Contemporary Dance Degree at Royal Conservatory of Professional Dance Mariemma (Madrid), Master on Psychology of Coaching at Universidad Autónoma, (Madrid). Since 2006, he is working as a freelance dance artist with several companies and choreographers, as well as projects in collaboration that have received many international awards and recognition. In 2013 he joined CocoonDance. As dancer, movement coach and part of the creative team, he continued to develop his own research and understanding of movement and composition. As a teacher he is guiding workshops and company classes with tanzmainz, Scapino Ballet and CocoonDance.
Marcus Bomski (production management), born in Leinefelde, Germany, studied dance at ZZT, Cologne and thereafter was engaged at Folkwang-Tanz-Studio, Essen. Later engage-ments for different choreographers in the free scene of North-Rhine-Westphalia, gathering experience as a performer on stage. He then moves to Japan, where he becomes a teacher at Shikoku-Gakuin-University, theater and dance department. Being involved in building a curriculum and shaping the pro-gram of the Universities Theatre, broadens his experience to the aspects of education, administration and production. Own stage works, teaching at schools, Kindergartens and diverse communities, round up his work abroad before moving back to Germany in 2021. He now supports production and admin-istration for groups and festivals and works as an assistant to rehearsals and touring. First based in Münster (bodytalk, Theater im Pumpenhaus, among others), now living and working in the Cologne/Bonn region (CocoonDance, Tanzfaktur Cologne).
